Black-Delight-Kaffeekultur

Baschs Q&A Feinschmecker Lifestyle

Kaffeekult: Wer, wie, was und warum?

1992 – erster Kaffee mit 10 Jahren. Das Gesicht verzieht sich und man denkt „BAH, PFUI, was die Erwachsenen da trinken“. Der Kaffee zubereitet bei der Oma – schwarz mit einem Schuss Milch.

2017 – Es vergehen keine 200 Meter, selbst in nicht-szenigen Stadtteilen, ohne dass man sich mit Kaffee versorgen kann. Weiterhin ist dieser schwarz mit einem Schuss Milch – aber mittlerweile ist es ein Genuss.

Die Kaffeekultur hat sich in den letzten Jahren wie kaum eine andere Sparte der Lifestyle-Szene verändert.

Wo sind die Unterschiede – der Fortschritt und die negativen Aspekte. Fragen, die ich gemeinsam mit Viki von Black Delight versucht habe zu klären.

Wenn ihr mal in Hamburg Eimsbüttel seid – stattet gern einen Besuch ab und nicht nur wegen des Kaffees. Das Black Delight und Vikis Know-how sind mehr als eine Bereicherung der Hamburger Kaffeeszene.
#baschout

Basch: Kaffee, Kaffee, Kaffee – wann hat dich der Virus um die Kaffeebohne das erste Mal gepackt?
Viki: Es gibt ja immer wieder Geschichten, wo Musiker berichten, dass sie ganz jung bereits “Musik“ gemacht haben. Ich hab mit 3 Jahren meinen ersten Kaffee getrunken. Das ist in der kroatischen Kultur nichts Außergewöhnliches. Dort wird in der Regel sehr wenig Kaffeepulver mit sehr viel Milch und Zucker gemischt; somit ist es auch für Kinder OK. Den richtigen Virus bekam ich vor ca. 10 Jahren; da kam irgendwann das Gefühl, dass es sich bei Kaffee um mehr als nur ein Getränk handelt.

Basch: Es gab somit ein besonderes Erlebnis bzw. den einen Trigger, der dich in die Kaffee-Branche gebracht hat, richtig?
Viki: Ja. Ich hab damals vorübergehend die Geschäftsleitung eines Cafés übernommen und bin dadurch mit Leuten aus der Kaffeeszene in Verbindung gekommen. Die haben mir dann Essentielles nach und nach gezeigt, so dass ich dabei geblieben bin.

Basch: Zeit für die erste “out of Context Frage“ – drei Band,s die auf einer Playlist in einem Café nicht fehlen dürfen und gleichzeitig drei Beispiele, wo du selbst mal den berüchtigten “OMG“ und “WTF“ Moment erlebt hast?
Viki: “Must have“ sind Bruce Springsteen, Carole King und Michael Jackson. Das berüchtigte “no go“ bei Elektro, deutschem Schlager und zu hartem Rock.

Basch: Kaffee als Medium hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung dazu gewonnen; es geht an sich komplett in die Lifestyle Richtung. Wie nimmst du den Wandel wahr bzw. an welchen Aspekten?
Viki: In Bezug auf die Szene kann ich sagen, dass diese sich zum Teil immer wichtiger nimmt, was ich etwas schwierig finde. Wir machen am Ende des Tages an sich nur Kaffee und keine Raketenwissenschaft. Es wird zum Teil auch elitär, was ebenfalls schade ist, da der Kaffee an sich für jede Person da sein soll – von der Mama, den Zwillingen ums Eck bis zum Nerd, der dir zu jeder Bohne etwas sagen kann. Des Weiteren hat aufgrund der Bedeutung der Konkurrenzdruck stark zugenommen. Jeder kämpft um seinen Platz auf und im Markt und will noch geiler und cooler sein, als es an sich geht.

Basch: Wie du gerade aufgeführt hast, bringt nicht nur der Lifestyle-Aspekt einen neuartigen Druck mit sich. Hast du das Gefühl, dass der derzeitige “status quo“ die Macher der Szene dazu bringt, sich immer wieder aufs Neue erfinden zu wollen, z.B. über das “Look & Feel“ der Räumlichkeiten und dass somit der Blick fürs Wesentliche (und zwar den Kaffee) verloren geht?
Viki: So krass sehe ich es nicht. Die meisten gehen nach wie vor sehr verantwortungsbewusst mit dem Medium und somit gleichzeitig Produkt Kaffee um. Allerdings geht die allgemeine Idee dahinter hier und da mal verloren, was sich allerdings nie ganz verhindern lässt. Insgesamt sehe ich die Bandbreite eher positiv, da ggf. durch andere Aspekte Menschen über Umwege an den Kaffee als Medium herangeführt werden.

Basch: Zeit für die zweite “out of Context Frage“ – fallengelassene Tasse, Milch, die Überschäumt, etc. Welche Katastrophe bei der Arbeit lässt dich heute noch stark Schmunzeln?
Viki: Persönliche Katastrophe: Eine defekte Spülmaschine. Als Besucherin eines Kaffeladens habe ich aber auch schon mal miterlebt, wie der Zoll reingekommen ist und der Laden ein paar Minuten später dicht machen musste.

Basch: Neben Kaffee gibt es bei dir nicht nur kleine Snacks oder Kuchen, sondern auch Events, die mit Kaffee nicht viel am Hut haben, wie z.B. ein “Whiskey Tasting“. Sind solche Events eine Anpassung an einen “Need“ aus dem obigen Szenevolk oder ist es eher ein “finde ich selbst gut, lass ma machen“?
Viki: Es ist definitiv eine Mischung aus beiden Punkten. Menschen setzen sich heutzutage bewusster mit Lebens- und Genussmitteln auseinander. Somit ist irgendwann der “Need“ da, hier und da Mittel zu mischen oder komplett Neues zu testen. Wenn es soweit ist, will man natürlich eine Besonderheit schaffen, dass die Menschen auch auf den Geschmack kommen; wie man das natürlich selbst machen wollen würde.

Basch: Dein Laden ist für viele aus der Nachbarschaft sicherlich ein Teil der eigenen täglichen Routine. Können Kaffeetrends von Morgen an den Stammkunde ausgemacht werden bzw. wie bleibst du am Puls der Zeit der Szene?
Viki: Beide Ansätze sind hierbei denkbar bzw. gibt es an sich drei Möglichkeiten. Trends brauchen an sich immer Zeit, bis sich diese auch durchsetzen können. Aktuelles Beispiel ist z.B. ein Flat White. Diesen will heutzutage gefühlt jeder trinken; vor ca. 2 Jahren kannten diese Variation nur die Insider und wussten damit etwas anzufangen, auch was die Zubereitung angeht. Dann hast du aber auch Freunde oder Kunden, die z.B. in Tokio waren und geben die Insights aus dem Land und der Szene dort weiter. Allerdings merkt man derzeit, dass Trends auch wegen den sozialen Netzwerke relativ schnell global greifbar sind und nicht lange nur für Insider verschlossen bleiben. Abschließend hat man dazu selbst Ideen und Vorstellungen, die man gern versucht und schaut, ob diese angenommen werden oder nicht; aktuelles Beispiel hier ist z.B. Espresso Tonic, das wir bei uns zum Trinken anbieten.

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Basch: Die Kaffeeszene weltweit hat sicher ab und an einen gleichen Nenner, aber auch viele Unterschiede. Hast du ein Erlebnis weltweit, was dich komplett aus den Socken gehauen hat – positiv oder negativ?
Viki: Nicht direkt. Auf Reisen, bevor man in der Szene war, hat man dieses nicht wirklich wahrgenommen. Nachdem du aber komplett drinnen steckst, fährst du mit einem anderem Blick fürs Wesentliche los. Stell es dir vor wie eine “Check List“: Wie wird mit den Gästen umgegangen, wie ist der Kaffee, etc. Das Augenmerk bei mir liegt aber in der Tat an der Art und Weise, wie mit den Kunden umgegangen wird.

Basch: Zeit für die finale “out of Context Frage“ – “Ich hätte gern ein Soja Latte, entkoffeiniert und am besten nicht allzu warm“. Wie viel Kaffeekultur nimmst du wahr in der Szene und wie viel ist und geht einfach in die “wannabe“ Schiene, weil es gerade halt Kult ist?
Viki: Das kommt sehr stark auf den Mensch drauf an und die Umgebung. Bei uns haben solche Bestellungen eher Seltenheits-Charakter. Ich hab da immer dieses Bild im Kopf, wo ein Starbucks Becher gezielt in Filmen als Lifestyle-Faktor verkauft wurde. Für viele Leute ist es aber in der Tat immer noch ein Lifestyle, einen Plastikbecher in der Hand zu halten, so absurd dieses klingt. Man versucht allerdings, diese Fälle dann entsprechend abzudecken – allerdings kann und wird nicht jeder Wunsch erfüllt; das haben wir für uns so beschlossen.

Basch: Bevor wir final zu der “quick & dirty“ Fragerunde kommen – welcher Kaffee beschreibt dich am besten?
Viki: Ein Americano. Schon etwas kräftig wie ein Espresso mit weichen Zügen vom Wasser und einem Schuss Milch.


Fragen: Quick & dirty

Basch: Neben Kaffee lieber Tee oder Wasser in der Früh?
Viki: Wasser

Basch: Espresso oder Snickers Cheeseckae als Belohnung?
Viki: Snickers

Basch: Reisetag – Kaffee aus dem Automaten am Bahnhof oder lieber einen Tag ohne Kaffee bleiben?
Viki: OHNE!

Basch: Blogger- oder Seniorengruppe – wem gibst du lieber den letzten Tisch im Laden?
Viki: Senioren

Basch: Ein Land welches du aus Kaffeelust besuchen willst?
Viki: Amerika und dann die Westküste. Nach Seattle würde ich gern, da unserer Kaffeemaschinen dort hergestellt werden. Des Weiteren wurde dort die erste Starbucks Filiale eröffnet und die Stadt beheimatet eine große Kaffeeszene. Ebenfalls Portland, unweit von Seattle; auch dort passiert sehr viel um den Kaffee.

Hamburg based seit 1994 mit kreativem und sportlichem Geist! Tag für Tag in der Agenturszene zu Hause und Bestandteil des Kunstkollektives “Urbanskills“. Fotograf, Social Media Hero und Blogger aus Leidenschaft samt Vorliebe für visuelle Medien.

“Skills are cheap, Passion is priceless!“

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